Einfluss der Altersstruktur auf Aussagekraft von Länderrankings im Gesundheitsbereich

Bei der Interpretation der Gesundheits-Statistik der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) berücksichtigten Medien nach Ansicht des Wissenschaftlichen Instituts der PKV (WIP) selten die Hinweise zu Methodik und Datenlimitationen. Aussagen wie Deutschland sei „Operationsweltmeister“ und belege international einen Spitzenplatz bei der Anzahl bestimmter Eingriffe, wie z. B. Hüft- oder Knieersatz-Operationen, seien häufig das Ergebnis solcher Fehlinterpretationen. Aber auch bei der näheren Betrachtung der methodischen Grundlagen der Studien selbst seien häufig Zweifel an der tatsächlichen Aussagekraft von Länderrankings angebracht. Das geht aus der aktuellen Studie des WIP zur Aussagekraft von Länderrankings im Gesundheitsbereich hervor.

Die OECD versuche zwar, durch umfangreiche Vorgaben eine einheitliche Datenmeldung und somit eine größtmögliche Vergleichbarkeit der Daten zu erreichen, aufgrund der Unterschiedlichkeit der Gesundheitssysteme und der jeweiligen nationalen Besonderheiten sei eine vollständige Einheitlichkeit allerdings äußerst unwahrscheinlich. Auch würden die Länder unterschiedliche Codier-Systeme verwenden und keine einfachen Fallzahlen sondern Mehrfachzählungen melden, was zu einer entsprechenden Einschränkung beim Vergleich der Fallzahlen führe. „Darüber hinaus melden einige Länder statt der gesamten nur die stationäre Fallzahl ohne den ambulanten Bereich zu berücksichtigen oder lassen die Eingriffe weg, die in privaten Krankenhäusern durchgeführt werden." Vor allem aber würden die OECD-Daten in der Regel nicht den Einfluss des unterschiedlichen Bevölkerungsalters in den einzelnen Ländern berücksichtigen, obwohl eine Vielzahl medizinischer Eingriffe eindeutig altersabhängig sei. „Ein Land mit relativ junger Bevölkerung muss weniger Ressourcen für die Gesundheitsversorgung aufwenden als ein Land mit älterer Bevölkerung. Ohne Berücksichtigung der Altersstruktur kann daher aus einem Ländervergleich der Fallzahlen keine Überversorgung abgeleitet werden", so das Fazit der Studie. Würden die unbereinigten OECD-Daten zu chirurgischen Eingriffen und zu Gesundheitsausgaben altersstandardisiert werden, verändere sich die Platzierung Deutschlands im Länderranking: „In Bezug auf die Operationszahlen rückt Deutschland danach bei allen Eingriffen, die im höheren Lebensalter durchgeführt werden, nach hinten".

Zu der Studie gelangen Sie: hier.

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