Mitarbeiter von deutschen Krankenhäusern sind unter dem Strich mit ihren Arbeitsbedingungen unzufrieden

Arbeitsverdichtung, Zeitmangel und schlechte Bezahlung - die Mitarbeiter von deutschen Krankenhäusern sind unter dem Strich mit ihren Arbeitsbedingungen unzufrieden. Das geht aus dem „Arbeitsreport Krankenhaus“ hervor, den das Institut Arbeit und Technik (IAT) der Westfälischen Hochschule Gelsenkirchen im Auftrag der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung erstellt hat.

Im Zuge der neuen Arbeitsteilung zwischen den Gesundheitsberufen übernehmen Pflegekräfte Aufgaben, die früher vor allem Ärztinnen und Ärzten vorbehalten waren und geben ihrerseits Arbeiten an „Assistenzdienste“ ab. Die Sicht der Beschäftigten lasse „starke Zweifel daran aufkommen, dass diese Veränderungen erfolgreich sind“, betonen die Forscher. So wiedersprechen mehr als 63 Prozent der Ärzte der Aussage, ihre Arbeitsbedingungen hätten sich in den letzten fünf Jahren verbessert. Mehr als 50 Prozent der Befragten glauben nicht, dass Patienten von den Veränderungen der Aufgabenverteilung profitieren.

Im Arbeitsalltag erleben viele Beschäftigte permanente Zeitknappheit. Trotz steigender Patientenzahlen gab jeder zweite Arzt an, in seiner Abteilung seien Arztstellen abgebaut worden. Dagegen berichten nur 28 Prozent von neu geschaffenen Arztstellen. Fast 37 Prozent geben an, dass auf ihrer Station Mediziner als Leih- oder Zeitarbeiter beschäftigt würden. Mehr als die Hälfte der befragten Ärzte und Pflegekräfte können zumindest mehrmals in der Woche nicht die vorgesehenen Pausen machen. Jeder zweite Mediziner findet, dass die Ausbildung auf seiner Station zu kurz komme und nicht genug für die Information, Anleitung und Beratung von Patienten getan werde. Jeder Fünfte spricht von Defiziten bei der Dokumentation.

Mehr als 78 Prozent der befragten Pflegerinnen und Pfleger haben nach eigener Angabe in letzter Zeit Tätigkeiten vom ärztlichen Dienst übernommen. Pflegekräfte versorgen verstärkt Wunden, sie setzen Spritzen, legen Venenkanülen, geben Medikamente zur Chemotherapie, kümmern sich um die Dokumentation. 47 Prozent bekamen darüber hinaus zusätzliche Verwaltungsaufgaben übertragen.

Trotz der Reorganisation der Arbeit im Krankenhaus attestiert die Studie den Beschäftigten an ihrem Arbeitsplatz eine „sehr hohe Motivation und eine hohe Identifikation mit ihrer Arbeit und den Zielen des Krankenhauses.“

Die vollständige Studie findet sich im Internet unter www.boeckler.de

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