Ausländische Fachkräfte im Landtag gewürdigt

Ohne sie werden die Sachsen nicht gesund: Deshalb hatten der Präsident des Sächsischen Landtags, Dr. Matthias Rößler MdL, der Präsident der Sächsischen Landesärztekammer, Erik Bodendieck, und der Sächsische Ausländerbeauftragte, Geert Mackenroth MdL, erstmals ausländische Fachkräfte im sächsischen Gesundheitswesen zu einem Empfang am 21. Juni 2016 in den Sächsischen Landtag eingeladen. Im Mittelpunkt der Veranstaltung standen die Wertschätzung dieser ausländischen Fachkräfte, zu denen viele Freie Berufe gehören, sowie der Austausch mit den Abgeordneten.

Dr. Matthias Rößler machte deutlich, dass Sachsen wegen der demografischen Entwicklung auf die ausländischen Fachkräfte angewiesen ist. Geert Mackenroth wollte daher den wertvollen Beitrag der Berufsgruppen sichtbar machen: „Fachkräfte mit Zuwanderungshintergrund sind in unserem Gesundheitswesen eine feste Größe und unverzichtbare Stütze. Wer dumpf „Grenzen dicht“ fordert, riskiert also nicht nur Sachsens guten Ruf, sondern auch die Gesundheitsversorgung unserer Bürger.“

Erik Bodendieck betonte ausdrücklich, „dass die rund 2.400 ausländischen Ärzte in Sachsen vor allem in den ländlichen Regionen maßgeblich dazu beitragen, dass Patienten gut versorgt werden. Einige Kliniken könnten den Betrieb mancher Stationen ohne die internationalen Ärzte nicht aufrechterhalten.“

Im Plenarsaal haben dann zwei Ärzte, ein Apotheker und ein Pfleger über ihre beruflichen und persönlichen Erfahrungen berichtet. Frau Dr. Stephanie Taché mit französischer Staatsbürgerschaft, und Herr Said Deep aus Syrien, berichteten von ihren Erfahrungen als Ärzte in Deutschland. Frau Dr. Taché arbeitet in der Flüchtlingsambulanz in Dresden und lebt schon seit vielen Jahren in Deutschland. Rückblickend kann sie sagen, dass sie von Kollegen und Patienten sehr gut aufgenommen wurde und durch ihren deutschen Mann auch sofort Kontakte hatte. Negativ in Erinnerung geblieben ist ihr die Anerkennung von Abschlüssen. An drei verschiedenen Stellen musste Sie ihre Unterlagen als beglaubigte Kopien vorlegen. „Warum recht nicht eine Clearing-Stelle aus, auf die die anderen zugreifen“, fragt sie. Herr Deep arbeitet seit kurzem als Assistenzarzt bei einem Augenarzt in Riesa. Die deutsche Sprache hat er in einem Jahr gelernt. Auf die Anerkennung seiner Abschlüsse musste er sehr viel länger warten. Von den Patienten werde er gut aufgenommen. Kritik äußerte er insbesondere an der Landesdirektion, die seinen Antrag auf Approbation oder Berufserlaubnis erst bearbeitete, nachdem er eine Einstellungszusage vorlegte. Eine solche Zusage von einem Krankenhaus bekommt man normalerweise nur mit einer Berufserlaubnis. Ein Teufelskreis. Schwierig sei es für ihn auch gewesen, eine Wohnung zu finden. Diese Erfahrung hat er zuvor in Großbritannien nie machen müssen.

Bashar Hussein, ein palästinensischer Apotheker, ist froh, derzeit in einer Apotheke in Dresden arbeiten zu können. Er befindet sich noch im Antragsstatus für das Asylverfahren. Besondere Schwierigkeiten machen auch ihm die bürokratischen Hürden. Seine beim Arbeitsamt eingereichten Unterlagen wurden erst lange Zeit nicht bearbeitet und waren dann sogar ganz verschwunden. Um arbeiten zu können fehlt ihm derzeit eine einzige Unterschrift. Um diese zu bekommen, muss er seine gesamten Studienunterlagen ins deutsche Übersetzen und im Original von seiner Universität in Palästina bestätigen lassen. Beglaubigte Kopien sind nicht zugelassen. Er weiß jedoch nicht, ob die Unterlagen auf dem normalen Postweg jemals wieder von dort zurückkommen. Hier würde er sich mehr Unterstützung zum Beispiel seitens der Deutschen Botschaft wünschen, indem solche Unterlagen über die Botschaftspost verschickt werden.

Es war dies die erste Veranstaltung dieser Art, die auf eine Initiative des Sächsischen Ausländerbeauftragten zurückgeht und an der etwa 150 ausländische Ärzte, Pfleger und Schwestern, Apotheker, Physiotherapeuten und Ergotherapeuten teilgenommen haben.

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