EU-Kommissar Günther H. Oettinger beim BFB-Neujahrsempfang

Am Mittwoch, den 14. Januar 2015, hat der Bundesverband der Freien Berufe zum Neujahrsempfang eingeladen. Zur Feier in der traditionsreichen Deutschen Parlamentarischen Gesellschaft in Berlin kamen mehr als 200 Gäste, darunter etwa 50 Bundestagsabgeordnete, Vertreter der Bundesressorts, der Landesvertretungen, hochrangige Repräsentanten der BFB-Mitgliedsorganisationen und befreundeter Wirtschaftsverbände.

BFB-Präsident Dr. Horst Vinken eröffnete den festlichen Abend. Er blickte zurück auf das für den BFB ereignisreiche Jahr 2014, dessen positiver Schlusspunkt die Mitgliederversammlung im Dezember 2014 gewesen sei. „Mandatiert mit dem großen Vertrauen unserer Mitglieder werden wir den BFB weiter als gemeinsames Sprachrohr der berufsübergreifenden Interessen der Freien Berufe ausbauen“, sagte Dr. Vinken. Mit Europa, dem demografischen Wandel und der digitalen Zeitenwende benannte er drei Themenfelder, die auf der Arbeitsagenda des BFB stehen. Im Zuge der aktuellen Diskussion über die umstrittene Vorratsdatenspeicherung warne der BFB vor Schnellschüssen und lehne eine verdachts- und anlasslose Vorratsdatenspeicherung ab. „Die weitere Entwicklung werden wir Freiberufler sehr kritisch und aufmerksam begleiten, denn es geht um Bürger- und Freiheitsrechte und im Besonderen um das Recht auf Privatsphäre“, so Dr. Vinken.

Der Hauptredner des Abends war der EU-Kommissar für Digitale Wirtschaft und Gesellschaft. Günther H. Oettinger hatte seine Ausführungen unter die Überschrift „Wirtschaft, Gesellschaft, Arbeitsmarkt und die digitale Revolution – wie sichern wir die Zukunft Europas?“ gestellt.
Deutschland zeichne sich durch die Kombination aus wirtschaftlicher Stärke, gesellschaftlichem Zusammenhalt und seinem kulturellen Erbe aus. Die Freien Berufe seien dafür unentbehrlich, umriss Kommissar Oettinger die Bedeutung und Rolle der Freien Berufe. Sie seien weit mehr als ein Wirtschaftsfaktor, der rund zehn Prozent zum Bruttoinlandsprodukt beitrage. Darauf allein könne man die Freien Berufe nicht reduzieren. „Sie entlasten den Staat und sind ein Kulturgut.“ Angesichts dieser offenkundigen Vorteile sei es naheliegend, für das Wertesystem der Freiberuflichkeit in Europa stärker zu werben. Heute sei das „Kulturgut Freie Berufe“ in den europäischen Nachbarländern leider immer noch viel zu wenig bekannt. Daher führe kein Weg daran vorbei, für den Mehrwert der Freien Berufe in Europa zu werben.

Mit Blick auf die fortschreitende Digitalisierung sagte er, schnelle Kommunikation sei entscheidend. „Das Dorf ohne Infrastruktur stirbt aus“, so Oettinger. Es gehe um Industrie 4.0, um Wirtschaft 4.0 und auch um Freie Berufe 4.0. Die Freien Berufe seien entscheidend für den digitalen Wandel in einer mehr und mehr vernetzten Welt. „Sie Freiberufler sind als Berater auch als digitale Berater gefordert", stellt der EU-Kommissar für Digitale Wirtschaft und Gesellschaft fest.

Die Gesellschaft dürfe nicht zur Stillstandsgesellschaft werden. Kritik übte Kommissar Oettinger an der Rente mit 63 und der Mütterrente. Der demografische Wandel führe vielmehr perspektivisch auf die Rente mit 70 Jahren zu – diese sei im Übrigen ja bei den Freiberuflern schon seit Langem gelebte Praxis und zudem ein Gebot der Generationengerechtigkeit. Auch um den sozialen Wohlstand hierzulande zu wahren, müsse gehandelt werden. Die Freien Berufe trügen die Verantwortung, gesellschaftspolitische Veränderungen anzustoßen und zu gestalten. Oettinger appellierte an die Freien Berufe, notwendige gesellschaftliche Reformen zu unterstützen. „Die Menschen vertrauen sich Ihnen in sensiblen Lebensbereichen an. Sie als Freiberufler machen mehr als nur einen Beruf. Sie sind Persönlichkeiten, die einen eigenen, einen besonderen Stellenwert für die Menschen haben.“

Bild: EU-Kommissar für Digitale Wirtschaft und Gesellschaft, Günther H. Oettinger

  • Schrift vergrößern
  • Schrift verkleinern
  • Seite ausdrucken
  • Seitenanfang