25 Jahre Selbstverwaltung der Heilberufe in Sachsen - Bekenntnis der Politik zu Kammern und zur Freiberuflichkeit

An die Anfänge der sächsischen Heilberufekammern von vor 25 Jahren erinnerte der Präsident der Sächsischen Landesapothekerkammer, Friedemann Schmidt, anlässlich der Festveranstaltung „25 Jahre sächsische Heilberufekammern“ am 11. September 2015 in Dresden. „Die Geschichte der neuen sächsischen Heilberufe und ihrer Selbstverwaltung beginnt im Jahr 1989. Nach sechs Jahrzehnten der Gleichschaltung, Zwangsverwaltung und Fremdbestimmung nahmen die Heilberufler in den Bezirken der ehemaligen DDR ihr Schicksal erstmals wieder in die eigenen Hände. In allen Berufen entstanden Aktionsgruppen, die zu Veranstaltungen einluden, auf denen die Regeln und Prinzipien der Demokratie eingeübt und erste Verbandsstrukturen begründet wurden. Dies ging natürlich nicht ohne Verwerfungen.“ Verantwortungsträger aus der alten Zeit standen Kollegen gegenüber, die in der oppositionellen Demokratiebewegung aktiv waren, Denkmodelle für einen wie auch immer gearteten „dritten Weg“ bei der Konstruktion des neuen Gesundheitswesens wurden erwogen und verworfen, Sehnsucht nach einer besseren Zukunft traf auf Existenzangst einer älteren Generation, die in den bestehenden Verhältnissen tief verwurzelt war. Und natürlich war diese innerprofessionelle Debatte ja nur ein Teil der gewaltigen Veränderungen jener Tage, die wir heute als friedliche Revolution bezeichnen. Die Entscheidung der Heilberufe für Freiheit und Einigkeit, Recht, Selbstbestimmung und Eigenverantwortung fiel im Sommer 1990. In den sächsischen Bezirken wurden die Kammern der Ärzte, Zahnärzte, Apotheker und Tierärzte gegründet. „Das dies gelang, ist das Verdienst von Menschen, die in dieser spannenden aber auch schwierigen Zeit bereit waren, Verantwortung zu übernehmen.“

Kammern sind ein Ausdruck aktiv gelebter Freiberuflichkeit im sächsischen Gesundheitswesen. Die persönliche Verantwortung jedes einzelnen freien Heilberuflers gegenüber seinem Patienten, die aus diesem großartigen Prinzip resultiert, garantiere diesem eine unabhängig von fremden Interessen geleistete Gesundheitsversorgung auf höchstem professionellen Niveau und ohne jede Diskriminierung hinsichtlich Alter, Geschlecht, sozialem Status, Herkunft oder Hautfarbe. „Dafür stehen die freien Heilberufler in unserem Land ein, wo auch immer sie tätig sind, das wollen wir gerade heute deutlich bekräftigen.“, betonte Friedemann Schmidt. Dies alles sei keinesfalls selbstverständlich und müsse immer wieder neu begründet und verteidigt werden.

In einem kritischen Blick nach Berlin und Brüssel wünschte er sich einmal mehr ein unmissverständliches Bekenntnis der deutschen Bundespolitik zum System der Selbstverwaltung in den freien Berufen nicht nur im Gesundheitswesen. Dieses klare Bekenntnis fehle umso mehr angesichts der ungebrochenen Angriffsbemühungen der Europäischen Kommission, die sich immer wieder als Sachwalter von Kapitalinteressen und eben nicht als Interessenvertreter einer europäischen Bürgergesellschaft versteht. Selbst Angela Merkel weiß, welch wichtige Rolle die Angehörigen der Freien Berufe in der Bürgergesellschaft übernehmen, indem sie das Konzept der Kopplung von individueller Freiheit und persönlicher Verantwortung unmittelbar vorleben. „Und sie kennt eine Gesellschaft, in der dieses Prinzip von Freiheit und Verantwortung missachtet wurde, aus eigener Erfahrung genauso wie die meisten der heute hier Anwesenden.“ Die Freiberufler in Deutschland erwarten eine entschiedene Verteidigung des deutschen Systems gegen Angriffe, egal ob sie von der EU-Kommission oder von den Protagonisten der diversen Freihandelsabkommen geführt werden.

Freie Berufe sollten sich immer wieder auf ihre Stärken besinnen und ihre Dinge zuallererst einmal selbst regeln. Der Ruf nach dem ordnenden Staat sei nur dann angezeigt, wenn die politischen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen nur mit seiner Hilfe gestaltet werden könnten, etwa bei der Sicherung der akademischen Ausbildung oder bei der Bewältigung der demografischen Herausforderung. Der Staat seinerseits sollte sich auf die Verteidigung und Anpassung dieser Rahmenbedingungen beschränken, damit den Handlungsspielraum der Heilberufler sichern und erweitern.

Die fünf sächsischen Heilberufekammern vertreten rund 34.000 Ärzte, Zahnärzte, Apotheker, Tierärzte und Psychotherapeuten.

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