55. Tagung der Kammerversammlung - Digitale Anwendungen in der Medizin

Dresden: Die sächsischen Ärzte wollen den laufenden Prozess der Digitalisierung der Medizinbei berufsrechtlichen wie berufsethischen Fragestellungen stärker begleiten. Daher haben dieDelegierten der 55. Kammerversammlung den Vorstand aufgefordert, zusammen mit denPartnern der Selbstverwaltung und der Staatsregierung in Sachsen sowie der Bundesärztekammerdie notwendige Weichen zur Implementierung von sinnvollen digitalen Anwendungenzu stellen.

Gewachsene Prozesse im Gesundheitswesen werden durch die zunehmende Digitalisierungimmer weiter verändert. Zum einen ermöglicht eine zunehmende Digitalisierung mit Blick aufden Ärztebedarf und die Versorgung ländlicher Regionen die Absicherung bzw. sogar Erhöhungder Versorgungsqualität, zum anderen die Steigerung der Effizienz administrativer Prozesse.Hieraus ergeben sich neue Möglichkeiten, aber auch Herausforderungen. Nur durch deren frühzeitigeIdentifikation können die Potentiale, die sich im Rahmen des gezielten Einsatzes voneHealth ergeben, strukturell erschlossen werden, heißt es in der Begründung.

Digitale Anwendungen können Lösungen für die Versorgung der großen Volkskrankheiten bieten,wie zum Beispiel Diabetes-Apps zur mobilen, digitalen Blutzuckerkontrolle oder Herzrhythmus-Tests per Smartphonekamera sowie Depressionstherapie am Bildschirm. Insbesondereunter den Digital Natives, Menschen die mit dem Internet groß geworden sind, erfreuensich Gesundheits-Apps einer zunehmenden Beliebtheit. Patienten sind durch elektronischeMedien heute auch aufgeklärter. Dies bietet Vorteile in Bezug auf die Mitwirkung im Genesungsprozess.Laut Studien erfüllen Apps der Kategorien „Medizin“ und „Gesundheit und Wellness“ jedochdiagnostische und therapeutische Ansprüche nicht und bei 23 Online-Symptom-Checkern istnur jede dritte Online-Diagnose richtig. Für digitale Anwendungen wäre aus Sicht der Ärztedaher eine Zertifizierung gemäß dem Medizinproduktegesetz notwendig. Zudem steht dasVerbot der ausschließlichen Fernbehandlung nach der Berufsordnung der Ärzte einigen digitalenModellprojekten in der Medizin entgegen. Ungeklärt sind auch medizin-ethische Fragenbeim Einsatz von digitalen Anwendungen. Fakt ist, die Digitalisierung der Medizin schreitetrasant voran.

Derzeit verläuft die Implementierung im internationalen Vergleich jedoch zeitversetzt. Es gibtbereits eine Vielzahl internationaler Initiativen zur Nutzung von Digitalisierungspotentialen – u.a. die Einführung des eRezepts (Norwegen), der Aufbau einer eHealth-Behörde (Dänemark), dieEntwicklung einer umfassenden ID-Karte inkl. Gesundheitsinformationen (Estland), die flächendeckendeUmsetzung einer elektronischen Gesundheitsakte (Österreich) sowie die zielgerichteteund umfassende Förderung einer elektronischen Gesundheitsakte (USA).

55. Tagung der Kammerversammlung - Digitale Anwendungen in der Medizin

  • Schrift vergrößern
  • Schrift verkleinern
  • Seite ausdrucken
  • Seitenanfang