Sundmacher: Streit um Abschaffung der Praxisgebühr lenkt von den tatsächlichen Problemen der GKV ab

Berlin (9. März 2012). "Die Forderung nach der Abschaffung der Praxisgebühr sichert kurzfristig Sympathien in der Bevölkerung und möglicherweise die eine oder andere Stimme im Wahlkampf. Die tatsächlichen Probleme im Gesundheitssystem, vor allem die Frage nach der langfristigen Finanzierung, werden damit jedoch nicht gelöst", erklärt der FVDZ- Vorsitzende Dr. Karl-Heinz Sundmacher am 9. März 2012 in Berlin. Ausgelöst wurde die aktuelle Debatte durch den Rekordüberschuss der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) von 19,5 Milliarden Euro. Politiker verschiedener Couleur hatten daraufhin gefordert, die Praxisgebühr abzuschaffen.

"Die Praxisgebühr schlägt mit etwa 2,6 Milliarden Euro im Jahr zu Buche. Wird diese Abgabe abgeschafft, fehlt die Summe den gesetzlichen Krankenkassen und muss langfristig über andere Kanäle wie Beitragssatzsteigerungen oder Leistungskürzungen kompensiert werden", ist Sundmacher überzeugt. "Die aktuell ausnahmsweise einmal gute Kassenlage kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass wir uns bei einer immer älter werdenden Bevölkerung zwangsläufig auf steigende Kosten im Gesundheitssystem einstellen müssen." Sundmacher fordert deshalb von den politischen Akteuren mehr Realitätssinn und eine ernsthafte inhaltliche Debatte über die Zukunft der GKV. "Statt sich mit populistischen Verteilungsszenarien aufzuhalten, ist es an der Zeit, effiziente und nachhaltige Finanzierungsstrukturen zu schaffen." In diesem Zusammenhang schade es sicher nicht, Sinn und Zweck der Praxisgebühr – die allein den Kassen nutzt und für deren Einzug die Arzt- und Zahnarztpraxen missbraucht werden – zu überprüfen.

Der aktuelle Kassenüberschuss dagegen sollte laut Sundmacher an alle Beitragszahler (Versicherte, Arbeitgeber und Steuerzahler) anteilig zurückgezahlt werden, anstatt auf das Sparverhalten der Krankenkassen zu vertrauen.

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