Deutsche sind zufrieden mit ihrem Gesundheitssystem - neun von zehn sehen aber Reformbedarf

Drei von vier Menschen in Deutschland sind mit dem Gesundheitssystem zufrieden. Das zeigt der aktuelle TK-Meinungspuls, den die Techniker Krankenkasse (TK) und das Meinungsforschungsinstitut Forsa am 9. Oktober 2014 in Berlin vorgestellt hat. Die Studie belegt auch: Neun von zehn sehen Reformbedarf. Der Trend ist jedoch positiv: Die grundlegende Kritik am System nimmt kontinuierlich ab. 2006 war es noch jeder Vierte, der einen umfassenden Neubau für nötig hielt - heute sagen dies nur noch 13 Prozent. Die Mehrheit der Menschen in Deutschland (52 Prozent) ist dabei für mehr Wettbewerb auf allen Ebenen des Gesundheitssystems. Und: Privat Versicherte sehen sogar noch einen größeren Reformbedarf als gesetzlich Versicherte.

Steigende Beiträge
Die große Mehrheit der Menschen in Deutschland (85 Prozent) rechnet damit, dass die Beiträge für die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) in Zukunft steigen werden. Zudem geht mehr als die Hälfte (54 Prozent) davon aus, dass der Leistungsumfang in Zukunft eingeschränkt werden muss, und knapp jeder Zweite fürchtet eine sinkende medizinische Versorgungsqualität (47 Prozent). Hier sind die Menschen auf dem Land deutlich pessimistischer als Menschen in der Großstadt. Nur jeder dritte Deutsche geht davon aus, dass auch in Zukunft noch alle Patienten nach neuesten medizinischen Erkenntnissen und mit neuesten Techniken behandelt werden können. Dabei ist gerade dies den Menschen besonders wichtig: Zwei Drittel würden sogar höhere Beiträge in Kauf nehmen, um weiter am medizinischen Fortschritt teilhaben zu können.

Ambulante Versorgung: Städter zufriedener als Landbevölkerung
Fast jeder Zweite in Deutschland ist zufrieden mit dem Netz an Haus- und Fachärzten, das ihm in seiner Umgebung zur Verfügung steht. Klar erkennbar ist dabei ein Stadt-Land-Gefälle: In größeren Städten und Ballungsräumen ist die Zufriedenheit mit 60 Prozent sehr viel größer als auf dem Land (40 Prozent). Im TK-Meinungspuls stellt bereits jeder fünfte Befragte, der auf dem Land wohnt, ein löchriges Angebotsnetz fest. In den Großstädten sieht nur jeder Elfte Defizite.

Weitere Wege und Delegation von Aufgaben akzeptiert
Die Menschen sind mobil: Für eine bessere Untersuchungs- oder Behandlungsqualität ist die große Mehrheit bereit, weitere Wege in Kauf zu nehmen - sowohl zu niedergelassenen Ärzten (90 Prozent) als auch zu Krankenhäusern (84 Prozent). Menschen auf dem Land sind dabei etwas eher bereit länger zu fahren als Großstädter. Und sie sind auch besonders betroffen, denn junge Mediziner zieht es immer weniger in die eigene Praxis auf dem Land. Ein Lösungsansatz: Medizinisches Fachpersonal wie Krankenschwestern und -pfleger übernehmen Aufgaben von Landärzten, um diese zu entlasten - etwa Hausbesuche zur Routinekontrolle bei chronisch Kranken. Drei von vier Befragten (73 Prozent) können sich das gut vorstellen - Ostdeutsche sind dafür noch aufgeschlossener als Westdeutsche. Darüber hinaus kann Telemedizin vor allem in strukturschwachen Regionen ein Mittel sein, um die Gesundheitsversorgung zu verbessern. Gut jeder dritte Deutsche (37 Prozent) kann sich vorstellen, mit einem Arzt per Videogespräch zu kommunizieren, wenn er dadurch längere Wege vermeiden und schneller Zugang zu einem Spezialisten bekommen kann.

Gutes Zeugnis für Deutschlands Ärzte
Die Deutschen stellen ihren Ärzten ein gutes Zeugnis aus. Mit ihrem letzten Arztbesuch waren sieben von zehn Befragten rundum zufrieden. Als "Halbgott in Weiß" sieht aber kaum jemand mehr seinen Arzt: Fast alle Patienten wollen auf Augenhöhe mit ihm reden. Mit rund sieben von zehn Befragten ist eine deutliche Mehrheit zufrieden mit dem Einfühlungsvermögen ihres Arztes und den Informationen. Die meiste Kritik äußerten die Patienten an der Aufklärung über Risiken und Nebenwirkungen von Medikamenten. Anders sieht es aus, wenn es im Ernstfall um Chancen, Risiken und Behandlungsalternativen geht: Voll und ganz aufgeklärt fühlte sich dazu bei seiner letzten ernsteren medizinischen Behandlung - egal ob beim Arzt oder im Krankenhaus - nur jeder Dritte (36 Prozent). Dabei wollen die Menschen mitentscheiden. Nur vier von zehn Befragten geben an, dass ihr Arzt als Fachmann ihnen die Entscheidung abnehmen soll - Männer mit 45 Prozent deutlich häufiger als Frauen mit 33 Prozent.

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