Koschorrek: Steigende Nachfrage nach Vertrauensdienstleistungen - mehr Selbstständige in den Freien Berufen schaffen mehr Arbeitsplätze

Zur Vorstellung der neuesten Zahlen zu den Selbstständigen in den Freien Berufen erklärt BFB-Präsident Dr. Rolf Koschorrek:

Die aktuelle Statistik zu den Selbstständigen in den Freien Berufen belegt ihren Status als Zukunfts- und Wachstumsmarke. Offenbar haben auch die krisenhaften Erscheinungen auf den Finanzmärkten und in der Wirtschaft die Nachfrage nach Vertrauensdienstleistungen stimuliert. Zum Jahresbeginn ist die Zahl der Selbstständigen in den Freien Berufen auf rund 1.192.000 gestiegen. Dies ist ein Plus von knapp 4,3 Prozent gegenüber dem Vorjahreswert von 1.143.000. Damit zieht der Wert nach einer leichten Verflachung im Vorjahr wieder an und setzt den Trend der letzten Jahre mit Zuwächsen von satten vier, fünf Prozent erneut fort.

In den vier Säulen zeigen sich unterschiedliche Werte. Mit 5,8 Prozent wuchsen die Freien Heilberufe am stärksten, von 344.000 auf 364.000. Die Freien rechts-, wirtschafts- und steuerberatenden Berufe kletterten um 4,5 Prozent, von 310.000 auf 324.000. Die Freien technisch-naturwissenschaftlichen Berufe legten um 4,4 Prozent zu, von 204.000 auf 213.000. Die Freien Kulturberufe wuchsen um 2,1 Prozent, von 285.000 auf 291.000.

Der Zuwachs der Zahl der Selbstständigen in berufsrechtlich geregelten Freien Berufen beträgt knapp 0,4 Prozent. Bei den nicht verkammerten Freien Berufen ist ein Anstieg um 7,1 Prozent zu verzeichnen. Besonders in etablierten Berufen scheinen einzelne potentielle Gründer für geraume Zeit zu einer Festanstellung zu tendieren, bevor sie den Schritt in die Selbstständigkeit wagen. Zudem dürfte die Nachfrage nach Fachkräften bewirken, dass auch der Nachwuchs in den Freien Berufen stärker umworben wird und eine Festanstellung für Einzelne insbesondere in Zeiten wirtschaftlicher Erholung vorläufig attraktiver ist.

Als Arbeitgeber werden die Freien Berufe immer wichtiger, konnten sie erneut Stellen aufbauen. Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten (ohne Auszubildende) stieg um drei Prozent, von 2.703.000 auf 2.784.000. Die Zahl der Auszubildenden sank leicht, von 128.000 auf 125.000. Die Zahl derer, die als Selbstständige in den Freien Berufen tätig oder dort beschäftigt sind, beläuft sich insgesamt auf nunmehr 4.339.000 Personen und ist um 3,3 Prozent gestiegen.

Diese Dynamik unterstreicht, dass die Freien Berufe den Strukturwandel hin zur Dienstleistungs- und Wissensgesellschaft verkörpern. Leistungsträger des Fortschritts werden mit steigender Tendenz die hoch qualifizierten und kreativen Köpfe aus freiberuflichen Feldern sein. Sie gestalten Megatrends wie Umweltschutz und technische Innovationen mit und unterstützen die Bürger in einer immer komplexeren Lebens- und Arbeitswelt. Soll also unsere Volkswirtschaft auch angesichts der demografischen Entwicklung weiter wachsen, sprich ideenreich, erfinderisch und effektiv sein, sind die Freien Berufe besonders gefragt.

Für weiterhin positive Effekte müssen die Weichen richtig gestellt werden. Hier ist auch die Bekämpfung des Fachkräftemangels wichtig. Schließlich können nur mit einer kompletten Mannschaft die jeweils existierende Nachfrage gedeckt und die Leistungskapazitäten der Freien Berufe erschlossen werden. Wo Fachkräfte fehlen, muss zügig und unkompliziert ein europäischer Fachkräfte-Arbeitsmarkt aufgebaut werden. Besonders für KMU und Freie Berufe muss es leichter werden, sich im Ausland nach Mitarbeitern umzusehen. Arbeitnehmer und Arbeitgeber, die direkt zusammenkommen wollen, brauchen unbürokratische und direkte Unterstützung. Für die Arbeitnehmer etwa sind Mobilitäts- und Eingliederungshilfen anzudenken, z. B. in Form eines Darlehens von bis zu 25.000 Euro, mit dem beispielsweise Sprachkurse und Umzugskosten abgefedert werden können.

Für weitere Impulse ist zudem die Energiewende zu beschleunigen. Für den Umbau stehen die Freien Berufe mit ihrer Expertise zur Verfügung. Ob technisch, bauplanerisch, verfahrenstechnisch, beratend oder auch rechtlich, die Freien Berufe werden ihrer besonderen Verantwortung auch in puncto Energieeinsparung und Energieträger durch ihre hochqualitative Leistung nachkommen.

Um positiven Entwicklungen nicht entgegenzuwirken, sind bei marktrelevanten EU-Regulierungs- und Deregulierungsprojekten auch von der nationalen Politik Obacht und rechtzeitige Auseinandersetzung gefordert. So ist etwa im Zuge der Überarbeitung der EU-Berufsqualifikationsrichtlinie, die die gegenseitige Anerkennung von Abschlüssen regelt, ein hohes Qualitätsniveau zu fördern. Denn ein Qualitätswettbewerb um die beste Leistung, dem sich die deutschen Freien Berufe tagtäglich stellen, ist Verbraucherschutz pur.

Zudem muss so früh wie möglich ein positives Bild von Selbstständigen und Unternehmern gezeichnet werden. Spätestens in der Schule muss der Nachwuchs vorurteilsfrei mit der Möglichkeit vertraut gemacht werden, dass er sein Geld nicht nur als Beschäftigter, sondern auch als Freiberufler, Selbstständiger oder Unternehmer verdienen kann. Existenzgründungen sind für eine dynamische Wirtschaftsentwicklung schließlich unverzichtbar.

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