Oesingmann: Gedämpfte Stimmung bei Freiberuflern

„Die Stimmung bei den Freien Berufen hat sich zwar nicht so stark eingetrübt wie die Werte aus der Winterumfrage hätten erwarten lassen. Indes hat sich im Vergleich zum Vorjahr die Lage eindeutig verschlechtert. Wurde im Sommer 2008 ein Wert von 3,28 erreicht, betrug dieser zum Jahreswechsel 3,78 und liegt nunmehr bei 3,6.

Innerhalb der vier Säulen gibt es deutliche Verschiebungen: Während sich die Bewertung in der Säule der rechts-, steuer- und wirtschaftsberatenden Berufe von 2,8 auf 3,6 deutlich verschlechtert hat, hat sich die Lageeinschätzung der Heilberufler von 4,2 im Winter auf nunmehr 3,8, in der Säule der technisch-naturwissenschaftlichen Berufe von 4,1 zum Jahreswechsel auf nunmehr 3,6 und bei den Kulturberufen von 3,5 auf 3,0 verbessert.

Alles in allem schlägt die Wirtschafts- und Finanzkrise auch bei den Freien Berufen durch. Es sind gerade kleinere Freiberuflerbüros vor allem im Architektur- und Ingenieurbereich, aber mit Voranschreiten der Krise auch im steuer-, rechts- und wirtschaftsberatenden Bereich vereinzelt sehr stark betroffen. Im letzteren Fall, weil weniger Mandate zu vergeben sind, bzw. die aufgrund der Krise erhöhte Nachfrage nach kompetenter Beratung aufgrund fehlender Liquidität der Mandanten häufig ausbleibt. Die noch immer relativ negative Bewertung ihrer wirtschaftlichen Situation der Heilberufe hängt indes weniger mit der Wirtschaftskrise als mit der allgemeinen Unzufriedenheit über die Gesundheitspolitik zusammen. Hier aber steht eine große Druckwelle bevor, wenn die Arbeitslosigkeit wie erwartet ansteigt und damit wegen der Kopplung an den Lohn auch die Einnahmen der Gesetzlichen Krankenversicherung zurückgehen. Mit Blick auf das laufende Jahr erwartet das Gros der Freiberufler, dass das Umsatz- und Geschäftsergebnis in etwa gleichbleibt oder etwas niedriger ausfällt. Insofern zeichnet sich laut Umfrage auch kein massiver Beschäftigungsabbau ab. Indes ist hier bereits ein gewisser Pessimismus zu spüren und so lautet der über alle vier Säulen der Freien Berufe zusammengefasste Trend, dass die Beschäftigung in diesem Jahr tendenziell gehalten oder sogar leicht abnehmen wird.

Insofern müssen besser gestern als heute die Maßnahmen der Konjunkturpakete auch endlich angeschoben werden. Vielerorts entsteht ein Nadelöhr, weil in den Ämtern, die die Aufträge bewilligen müssen, aufgrund begrenzter Kapazitäten die einzelnen Projekte nicht so schnell anlaufen können wie es von Nöten wäre. Dieser Stau ist gefährlich, weil die Konjunkturpakete so nicht ihre volle positive Wirkung entfalten können. Hier bieten die Freien technisch-naturwissenschaftlichen Berufe wie etwa Ingenieure nochmals ihre Unterstützung auch im administrativen Bereich an, damit die Genehmigungen zeitnah erteilt werden können. In der Krise gilt es keine Zeit zu versäumen.

Daneben rechnen die Freien Berufe mit einer speziellen Entwicklung: Die Freien Berufe sind seit Jahren ein Wachstumssektor, weil der Dienstleistungssektor strukturell weiter an Bedeutung gewinnt und immer neue Berufsbilder dazukommen. Es gibt im überschaubaren Ausmaß das Phänomen der Notselbstständigkeit als Ventil für den Arbeitsmarkt.

Angesichts der aktuellen Krise zeichnet sich noch kein verstärkter Trend hin zu freiberuflichen Existenzgründungen ab, weil die Menschen ihre derzeit noch sichere Anstellung nicht aufgeben wollen. Wir rechnen zum Herbst mit einer verschärften Lage. Wie stark die Zunahme auch der freiberuflichen Selbstständigen sein wird, hängt von der Wucht ab, mit der der Arbeitsmarkt in den kommenden Monaten erschüttert wird und wie viele arbeitsmarktpolitische Instrumente ihre Pufferwirkung verlieren. Wenn Aufträge ausbleiben, werden sich immer mehr Betriebe von ihren Mitarbeitern trennen. Dies kann zu einer Zunahme freiberuflicher Existenzgründungen führen.“

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