Sozietät durch Unternehmensteuerreform in Gefahr

Der Bundestag hat am 25.05.2007 das Unternehmensteuerreformgesetz 2008 verabschiedet. Die Folgen für Freiberufler in Sozietäten kommentiert der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes der Freien Berufe (BFB), RA Arno Metzler:

„Viele Sozietäten von Freiberuflern werden ab 2008 die Förderung von Investitionen für kleine und mittlere Unternehmen nicht mehr in Anspruch nehmen können, da ihr Gewinn insgesamt die Grenze von 100.000 EUR übersteigt. Damit ist die Rücklagenbildung für Personengesellschaften nicht ausreichend abgesichert. Es wird gerade bei neuen Zusammenschlüssen die Frage aufkommen, ob nicht eine Bürogemeinschaft, wo jeder einzelne seine eigene Praxis nach außen betreibt und lediglich die Bürokosten gemeinsam getragen werden, wesentliche steuerliche Vorteile bringen und die notwendige Liquidität verbessern kann. Der Einzelne könnte dann in vielen Fällen doch die Investitionsförderung in Anspruch nehmen und bei einer eventuellen späteren Beendigung und Begründung einer neuen Gemeinschaft die vom BFB kritisierte verschärfte Besteuerung im Rahmen der Realteilung vermeiden“, sagt Metzler.

„Auch die Möglichkeit der Sonderabschreibung in Höhe von 20 Prozent für kleine und mittlere Unternehmen wird durch die zwingende Poolbildung und Abschreibung auf fünf Jahre für geringwertige Wirtschaftsgüter (GWG) voraussichtlich in vielen Fällen nicht möglich sein. Die gewinnerhöhende Auflösung einer zuvor gebildeten Investitionsrücklage kann im Jahr der Anschaffung eines Wirtschaftsgutes durch die gleichzeitige gewinnmindernde Kürzung der tatsächlichen Anschaffungskosten in Höhe dieser Rücklage entsprechend kompensiert werden. Soll die Gewinnkompensation in voller Höhe vorgenommen werden, müssen die Anschaffungskosten bei einer 40-prozentigen Investitionsrücklage mehr als 1.666,67 Euro betragen, damit ein Wirtschaftsgut nicht in den „GWG-Pool“ eingeht und die Sonderabschreibung neben der normalen Abschreibung in Anspruch genommen werden kann“, erklärt Metzler.

„Ein Beispiel: Ein Freiberufler schafft einen PC in Höhe von 1.667 Euro an. Die Anschaffungskosten mindert er um die im Vorjahr gebildete Investitionsrücklage von 40 Prozent (667 Euro). Damit hat er geminderte Anschaffungskosten in Höhe von 1.000 Euro, die in den „GWG-Pool“ eingehen, der auf fünf Jahre abzuschreiben ist (200 Euro/Jahr). Mindert der Freiberufler die Anschaffungskosten des PC nicht in voller Höhe der Investitionsrücklage (z.B. 666 Euro), so hat er geminderte Anschaffungskosten in Höhe von 1.001 Euro und kann die Sonderabschreibung in Höhe von 20 Prozent sowie die Abschreibung auf drei Jahre vornehmen (533 Euro im Jahr der Anschaffung). Dies bedeutet nicht zuletzt ein enormer Rechen- und Verwaltungsaufwand für die überwiegend kleinen Praxen und Freiberuflerbüros“, so der BFB-Hauptgeschäftsführer.

Der BFB als Spitzenorganisation der freiberuflichen Kammern und Verbände vertritt 906 Tausend selbstständige Freiberufler. Diese beschäftigen über 2,8 Millionen Mitarbeiter - darunter ca. 141 Tausend Auszubildende - und erwirtschaften 9,2 Prozent des Bruttoinlandsproduktes.

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