Unternehmenssteuerreform: Nur Nachteile für Freie Berufe

Im Finanzausschuss des Bundestages hat am 25.04.2007 eine Anhörung zur Unternehmenssteuerreform stattgefunden. Nicht alle Unternehmen in Deutschland profitieren von der geplanten Steuerreform. Ganz im Gegenteil: „Die Praxen und Büros der Freien Berufe fallen bei dieser Steuerreform hinten herunter“, sagt Arno Metzler, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes der Freien Berufe (BFB) in Berlin. Für den BFB sind in der geplanten Unternehmenssteuerreform vier Eckpunkte für die Freien Berufe nicht tragbar:

  • Die Abgeltungssteuer gegen Werbungskostenabzug erschwert Betriebsübergaben.
  • Die Rücklagenbildung für Personengesellschaften ist nicht ausreichend abgesichert.
  • Auch die bisher geplante Abschreibungsgrenze für geringwertige Wirtschaftsgüter ist zu hoch und entspricht nicht der durchschnittlichen Nutzungsdauer der Wirtschaftsgüter mit den entsprechenden Werten.
  • Der allgemeine Verwaltungsaufwand steht für so kleinteilige Unternehmensstrukturen, wie die Freien Berufe sie aufweisen, in keinem Verhältnis zum steuerlichen Ergebnis.


„Der Anteil der Erwerbstätigen in den Freien Berufen hat sich in den vergangenen 30 Jahren verdreifacht, der Anteil der Freien Berufe am Bruttoinlandsprodukt beträgt fast zehn Prozent – dennoch wurde dieser Wirtschaftszweig bei der Ausformulierung der Steuerreform völlig außer Acht gelassen“, sagt Metzler und erklärt:

„Wenn es nach dem Gesetzgeber geht, soll die Gewinngrenze von 100.000 Euro nicht nur für den einzelnen Freiberufler gelten, sondern auch für die Gemeinschaften, in denen sich mehrere Freiberufler zusammengeschlossen haben. „Da bleibt am Ende für den Einzelnen kaum etwas übrig, macht Rücklagen für zukünftige Investitionen wenig wahrscheinlich und fördert nicht gerade Kooperationen.“

Auch die Abschreibungsklausel trifft die Freiberufler besonders hart: „Es wird für einen Steuerpflichtigen nicht nachvollziehbar sein, warum er z.B. ein Laborgerät mit einem Wert von € 120, welches höchstens eine Nutzungsdauer von zwei Jahren hat, im Pool auf fünf Jahre abschreiben muss, während eine Reparatur des gleichen Gerätes als Ersatzinvestition sofort abgeschrieben werden kann.“

Der BFB fordert für Steuerpflichtige, die ihren Gewinn nach § 4 Abs. 3 EStG ermitteln, keine Betriebsgrößengrenzen aufzustellen und die Abschreibungsklauseln beizubehalten bzw. großzügiger auszugestalten, um Freiberufler nicht schlechter zu stellen. Für zukünftige Investitionen und Wachstum muss die Liquidität von Freiberuflern durch die Möglichkeit der Bildung von Rücklagen gefördert werden.

Der BFB als Spitzenorganisation der freiberuflichen Kammern und Verbände vertritt 906.000 selbstständige Freiberufler. Diese beschäftigen über 2,8 Millionen Mitarbeiter - darunter ca. 141 Tausend Auszubildende - und erwirtschaften 9,2 Prozent des Bruttoinlandsproduktes.

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